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L'Etang

Ein Tümpel. Etang auf Französisch. Der perfekte Ort für einen Ausflug zu zweit. Ich, Vollblutweib, habe das Picknick vorbereitet. Gesunde Gemüsesticks, Dip, Knäckebrot. Dazu Wasser ohne Kohlensäure. Wasser mit Kohlensäure und mit Zitronengeschmack. Eine Coladose mit Pinup-Aufdruck, gekühlt. Zwei Kaffees. Und vieles mehr.

Der Spaziergang um den Tümpel dauert etwa 20 Minuten, eine gefühlte Stunde. Das Picknick schnitt sich in die Schultern – ich hätte doch den Rucksack und nicht die Tasche packen sollen.

Wir sind nicht die einzigen, die den Etang bewandern wollen. Rund um den See tummeln sich Touristen aller Art. Die klassischen Deutschschweizer Ausflügler, mit Wanderschuhen und Rucksack, beschreiten energisch die Naturwege. Vor uns eine Südamerikanerin mit ihrer Schwester und ihrem Schweizer Freund. Erst beim Vorbeigehen bemerke ich, dass sie, die Füsse nur mit dünnen Söckchen bekleidet über Holzschnitzel, Baumwurzeln und Matsch marschiert.

Jedes freie Uferplätzchen ist von Menschen in Beschlag genommen. Luftline 20 Meter über den See posiert gerade ein Mittzwanziger in gänzlicher Nacktheit. Jurassischer Polterabend. Kinder schwimmen an Holzstämme geklammert durch das braune Wasser, covern Xavier Naidoo und andere deutsche Lieder aus meiner Kindheit in voller Lautstärke.

Wir lassen uns nieder neben einer Picknickgruppe älteren Semesters. Packen unsererseits das Picknick aus und dümpeln Sticks in Dips. Eine Frau durchquert den See mit kräftigen Schwimmzügen. Ich will mir nicht vorstellen, wieviel Fische und Seegras sich dabei um ihre Beine schlingen.

Die Sonne verschwindet hinter den Tannen. Der See wird noch dunkler. Die Picknickgruppe packt ihre Klappstühle zusammen und geht. Wir gehen auch. Vom Picknick bleibt mehr als die Hälfte übrig.

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15.9.11 08:59
 
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