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Drum prüfe, wer Diagnosen stellt

Mein neuer Arzt steht im Türrahmen vom Wartezimmer, die Klinke zur gläsernen Tür in der Hand. Er ist die rothaarige Version von Edward Norton, die Haut voller Sommersprossen. Und er schaut - im Gegensatz zu seinen Vorgängern - jung aus. Mindestens so jung wie ich. Tendenz jünger.

Ich reiche ihm die Hand. So habe ich das gelernt. Auf seinem Namensschild steht "Assistenzarzt". Alles klar.

Unsicheren Schrittes begleitet er mich durch die Gänge bis zu seinem Praxiszimmer. Ich werde nervös bei soviel Unlockerheit, die er an den Tag legt. Ein Glück ist mein Problem nicht allzu gravierend:

"Sie leiden an Verstopfung!", sagt er. Fragend. Ich bestätige: "Ja, schon seit mehreren Monaten. Ich glaube, dass das nicht mehr ganz so gesund ist." Er nickt, also berichte ich weiter: "Ich habe schon 2x Antibiotika geschluckt deswegen, aber geholfen hats nicht." Er sagt nichts. "Ausserdem habe ich immer Halsschmerzen und erkälte total schnell. Ich glaube, ich leide an Verstopfung der Nasennebenhöhlen."

Auf einmal scheint er merklich entspannter. Jaja, mein lieber Freund, da haben dir deine Sekretärinnen übel mitgespielt. Denn "Vestopfung" ist nicht gleich "Verstopfung". Ich male mir aus, was er sich wohl in der Zeit zwischen dem Händedruck und meiner Aufklärung alles ausgemalt hat und kann durchaus nachvollziehen, dass er so nervös war. Tatsächlich bin ich - generell und speziell auf meinen Arzt bezogen - froh, dass ich an keiner Verstopfung der unteren Gefilden leide. 

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21.7.11 15:47


Ferien für alle

Alle sind sie weg. Am Meer, in den Bergen, in Weltstädten am Bummeln. Nur ich bin da. Ein wichtiges Zahnrädchen im Getriebe, um die Schweizer Wirtschaft während der Ferien im Gang zu halten.

Ich lese Statusmeldungen von facebook-affinen Urlaubern. "@the airport to go to Phuket". Oder "Mallorca, dauerschön, 30 Grad!!!!". Oder "Hallo Mamas, was gehört alles in eine Baby Reiseapotheke für 2 Wochen Italien?".

Ich lasse mich von der Bilderflut überrollen, die sich vornehmlich den Flughäfen ("Wir sind dann mal weg" ) und Stränden ("Beautiful Sunrise: Maui Hawaii" ) dieser Welt widmet.

Draussen scheint die Sonne. Fast wie in Mallorca. Der Zürichsee schlägt sanfte Wellen - irgendwo hinter der Häuserfront. Fast wie in Hawaii. Der Flughafen ist 13,6 Kilometer entfernt. Eine Distanz, die ich in 35 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmittel zurücklegen könnte. Vielleicht sollte ich. Denn ich ahne, dass die Schweizer Wirtschaft auch ohne mein Zudienen stabil bleibt.

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19.7.11 11:08


dona nobis pax

Schrankzügeln war angesagt. Und mein altes, zweiteiliges Pax-Modell aus dem Hause Ikea entpuppte sich als genauso unhandlich wie ich befürchtet hatte.

Die gute Nachricht zuerst: die beiden zusammengeschraubten Korpus(se?) liessen sich ohne weiteres trennen.
Die schlechte Nachricht: auch getrennt waren sie zu gross für die geplante Zügelaktion.

Wussten wir natürlich nicht von Anfang an, und schleppten den leeren Schrank mühselig durch Zimmer und Gang. Doch alles heben und hebeln nützte nichts. Er wollte einfach nicht um die Ecke rein ins neue Schlafzimmer. Stattdessen sperrte er sich störrisch, machte Dellen in Decke und Wände. So lange, bis wir - völlig entnervt - aufgaben.

Alles auseinanderschraubten, um die Ecke trugen, (auf der falschen Seite) wieder zusammenschraubten, umdrehten, aufstellten. Merkten, dass wir diverse Kleinteile beim Zusammenschrauben vergessen haben. Aber: der Schrank steht auch ohne diese Kleinteile. Sogar einigermassen stabil. Kleider rein. Fertig ist das Kunstwerk.

Man fragt sich, wie man ein trotziges Schrankgestell auf den Namen Pax (Friede) taufen kann. Denn friedvoll war diese Zügeltour nicht wirklich.

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6.7.11 11:50


Plackerei

Ein neuer Typ ist in meine Wohnung gezogen. Mein Mann. Und er kommt nicht alleine. Mit sich bringt er Kleiderstapel, Papierkram und überdurchschnittlich viele Schuhe.

Die Wohnung wird durch diesen Einzug erheblich kleiner. Das Chaos grösser. Jegliche Freizeit geht drauf für Aufräumarbeiten. Kaum hat man die eine Ecke halbwegs gesäubert, macht sich das Chaos in der andern breit.

Morgen nun ist es soweit: die Möbelpacker kommen. Und mit ihnen meine Schwiegermama aka Empfangskomittee. Weil der Aufbau aller neuen Möbel im Preis inbegriffen ist, müssen die alten Möbel heute noch irgendwie weg. Wohin? Vorerst einfach mal in die andere Ecke (ja genau, die, die wir vorher ordentlich geräumt haben).

Leider ist zuviel Zeit fürs Ordnungschaffen draufgegangen. Daher ist nebst Möbelschieben noch ein Mitternachtsputz angesagt. Kann meiner Schwiegermama kein Stinkeklo oder Brösel-Boden zumuten. Ausserdem will ich den Eindruck einer tüchtigen Schwiegertochter noch etwas aufrechterhalten.

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28.6.11 14:05


Meteobanal

Sommer ist vorallem im Büro. Denn die Klimaanlage funktioniert immer noch nicht richtig. In der Handtasche verstaut warten geschlossene Schuhe, Jacke und Regenschirm auf ihren Einsatz nach Feierabend. Denn eigentlich - so die Wetteraussichten von heute Morgen - regnet es dann in Strömen. Und es ist kalt.

Warum es nicht jetzt schon regnet, ist mir schleierhaft. Denn normalerweise gleichen sich der Himmel über Zürich und das Wölkchen im Meteo-Teil aufs Haar.

Ich bin verwirrt. Die Hitze im Büro steigt mir in den Kopf. Meine Schulter schmerzt vom Tragen der schweren Handtasche: Liebe Wetterfrösche, bitte bedenkt doch, dass eure Wettervorhersagen für kontrollbedürftige Frauen durchaus relevant sind. Und sich massiv auf Gepäckgrösse, -inhalt und -gewicht auswirken. Danke.

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22.6.11 15:14


Kofferziehen

Kofferzieher sind die Miniterroristen des Alltags. Aus dem Nichts können sie in einer Menschenmenge auftauchen und zack, hat man ihr unscheinbares, schwarzes Köfferchen vor den Füssen. Wumm, stolpert darüber und hält sich nur dank den Mitmenschen auf den Beinen.

Zumeist sind Kofferzieher solche, die nicht vorwärtsmachen. Da kann es passieren, dass man mit erhöhtem Schritttempo durch den Bahnhof marschiert und plötzlich einem Koffer aufläuft.

Wer hingegen bewusst hinter einem Kofferzieher her geht, muss äusserst wachsam sein. Ändert dieser nämlich unangekündet die Richtung und kriegt man das nicht, ist die Stolperfalle perfekt.

Eine Antihymne auf die Kofferzieher. Die Gänge blockieren. Auch die Ausgänge. Sich auf Rolltreppen verbarrikadieren. Und Sitzplätze für ihren Lieblingskoffer beanspruchen.

Mir jedenfalls sind sind eigentlich die Leute, die an einem durchschnittlichen Wochentag mit einem Wochenendkoffer umherspazieren, nicht ganz geheuer.

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21.6.11 16:38


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