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Schdeuerschlamperei
Da ist dieses Kuvert in meiner Tasche. Unfrankiert, an die Steuerbehörde des Kantons adressiert. Ich habe alle wichtigen (und zwingend nötigen) Schritte unternommen, um meine Steuererklärung doch noch einzureichen.
Die Mahnung im Nacken, innert der nächsten dreissig Tage meine Steuererklärung einzureichen, habe ich schätzungsweise zwischen Tag 25 und Tag 30 meine Onlinesteuererklärung ausgefüllt. Nachdem ich zuvor wochenlang an jedem Abend doch noch was besseres zu tun hatte - es war schliesslich Sommer.
Schon nur, bis ich meinen Lohnausweis vom Geschäft in meine Tasche und von meiner Tasche auf meinen Arbeitstisch gebracht habe, verging mindestens eine Woche. Doch jetzt ist dieser Lohnausweis fein säuberlich in einem Kuvert in meiner Tasche verpackt und wartet geduldig darauf, endlich beim Steueramt zu landen.
Natürlich denke ich daran. Beim Kaffeetrinken in der Stadt merke ich mir den nächsten Briefkasten. Wenn ich aus dem Haus gehe checke ich ab, ob das Kuvert auch wirklich in der Tasche ist... nichts kann mehr schief gehen. Ausser eben, dass ich den Kaffee trinke, aufstehe und der Briefkasten erst dann wieder in mein Bewusstsein gelangt, wenn ich schon im nächsten Kaffee angelangt bin (oh ja, ich habe Ferien und weiss sie zu geniessen).
Dieses Phänomen tritt in weniger starker Ausprägung auch bei anderen Dingen auf. Wie beispielsweise Wäsche nach dem Waschen bügeln (och, auf den Stuhl drapiert hält sie noch ne Woche länger) oder Pflanzengiessen (Ok, die schlappen Blätter und den Blütenkopf auf dem Tischblatt gebettet lassen darauf schliessen, dass allerspätestens JETZT der Zeitpunkt zum Giessen gekommen ist). Und da allerspätestens JETZT die 30 Tage Schonfrist abgelaufen sind, habe ich mir vorgenommen, gleich nach dem Schreiben des Blogs einen Briefkasten aufzusuchen...
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Auferbauung
Direkt neben meinem Schreibtisch wird ein Haus gebaut. Seit mehreren Wochen gönne ich mir regelmässig einen Blick auf die braungebrannten, gestählten Männerkörper, ergötze mich an den Muskelpaketen und daran, dass auch andere arbeiten müssen. Und da die Häuserbauer genau dasselbe tun, nämlich durch unser Bürofenster gucken und uns beim Arbeiten zusehen, entsteht eine sogenannte Win-win-Situation für beide Seiten. Trotzdem fühle ich mich zeitenweise wie ein Fisch im Aquarium. Der vor sich hin blubbert und von allen je nach Bedarf begafft werden kann. Nicht allzu angenehm, auch weil bisher keiner der Gaffer auf die Idee kam, uns wenigstens mit Keksen zu füttern. Praise God für meinen Schreibtischplatz, der sich nicht so nah am Fenster befindet, wie der meiner Arbeitskollegin. Die sich über die Tage einen fixen Verehrer geschnappt hat, der sie auch auf der Strasse beim Vorbeigehen freundlich grüsst. Und der ist im Fall nicht einfach ein normaler Bauarbeiter, sondern DER Bauleiter! Alle Achtung! Doch auch der balanciert nicht über das Gerüst zu unserem Fenster rüber, um uns mit Keksen zu versorgen. Möööp.
Der Konzentration wegen habe ich nun die Rollläden runtergekurbelt und sitze im abgedunkelten Büro. Ich musste es tun - sonst wird dieses Haus nie mehr fertig...
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Süsswasserpiraten
Die Tradition und vorallem der Sommer will es, dass Menschen, die in der Hauptstadt wohnen, sich unter anderem auch per Boot fortzubewegen wissen. Weswegen wir an einem wunderschönen Sonntag Morgen unser Gummiboot packten, es unter Ächzen und Jammern zum Bahnhof schleppten und am Flussufer angekommen unter Keuchen aufpumpten. Noch bevor das Boot im Wasser war, machte sich Panik unter den Süsswasserpiraten breit. Das Gummiboot könnte ein Loch haben und wir alle elendiglich absaufen. Doch trotz intensiver Suche, fanden wir keins und stachen - mit einem leicht flauen Gefühl - in die tosenden Wassermassen. Bepackt mit einer grossen, wasserfesten Tasche und einer hellblauen Kühlbox in einem gebührenpflichtigen Abfallsack. In der sich nicht etwa eisgekühltes Bier, sondern Jeans und Herrenschuhe Grösse 43 befanden. Wie auch immer.
Die Flusstemperatur betrug etwa 17°, was sich doch eher kühl anfühlte. Speziell für diejenigen unter uns, die sich nicht im Gummiboot, sondern auf einer Luftmatratze mit direktem Wasserzugang befanden. Weswegen unser Freizeitschiff zu einem Cargo-Boot umfunktioniert wurde und ein anderes Boot zum Rettungsschiff für unterkühlte Flüchtlinge mutierte (die beim Versuch, illegal von Uttigen in die Hauptstadt zu gelangen, womöglich verstorben wären).
Obwohl das Wasser einigermassen ruhig war und die Sonne glitzernd auf den Wellen brach, blieb die Fahrt über den Fluss abenteuerlich. Denn Rudern ist nicht jedermanns Sache und wer den Kapitän inklusive einzigem an Bord befindlichem Ruder über Bord wirft, muss sich nicht wundern, wenn die Fahrt in Gebüsch endet oder über spitzige Felsen entlang führt. Ein Wunder, dass die Boote alle heil - und vorallem vor der Schleuse - in Bern angelangt sind. Die Luft blieb trotz Irrfahrten allen Gummibooten erhalten. Die Kleider in der Kühltruhe blieben trocken. Und auch die Stimmung blieb bis zum Schluss fröhlich.
Erst am Tag darauf machten sich die bleibenden Schäden einer solchen Bootsfahrt bemerkbar. Blasenentzündung beim Luftmatratzenschwimmer, zerkratzte Beine und gequetschte Rippen (herabhängender Baumstamm, übermütiger Süsswassermatrose am Steuer und starke Strömung) so wie eine leichte Sommerbräune zeugten vom abenteuerlichen Sonntagsausflug mit Happyend.
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In Flecken stecken
In der Schweiz ist gesundes Essen angesagt. Sprich: keine Kaffeebohnen mehr! Vorallem seit kürzlich der Hochsommer so tat, als hätte er Einzug gehalten, sind Gemüse und Früchte total angesagt. Da ich in letzterzeit wettertechnisch so oft gelinkt worden bin, misstraute ich den warmen Morgentemperaturen nach wie vor. Kleide mich im Schichtenlook und entblättere mich dann im Laufe des Arbeitstages bis aufs.. Trägershirt, genau. Ein pseudoelegantes Ding, das verloren an meinen Schultern rumhängt und dessen einzige Daseinsberechtigung ist, meine Schlabberhosen etwas besser aussehen zu lassen, als sie in Wirklichkeit sind. Nun bereite ich also, bis aufs Trägershirt entblättert, meinen Salat zu. Seit ich von einem Tag auf den andern plötzlich gerne Tomaten ass, gehören diese roten Dingern mit ihrem glubschigen-grauslichen Innenleben auf meinen Speiseplan. Und wie es so geht wenn man Tomaten schneidet, eine plumpst mit Sicherheit nicht mit der üblichen Eleganz in die Schüssel. In Zeitlupe sehe ich dieses überdimensionale Stück Tomate aus meinen Finger fallen, es plantscht in die Salatsauce und die Salatsauce kann sich ob dieser edlen Tomate kaum einkriegen und hüpft wie wild herum. So wild, dass sie mein pseudoelegantes Trägerteil gleich mit umarmt. Das war's auch schon mit der Freude. Obwohl ich geistesgegenwärtig mit Spülmittel und stinkendem Lappen dahinterging, bildeten sich grosse, dunkelbraune Flecken auf hellrosafarbenen Untergrund. Und nun sitze ich beschämt mit dickem Pullover an meinem Schreibtisch, schwitze wie ein Depp und produziere soviel Flüssigkeit ausserhalb meines Körpers, dass die Salatsauce inzwischen aus dem T-Shirt ausgeschwemmt sein sollte. Mal nachsehen..
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Brautstrauss bleibt Brautstrauss
Alle unverheirateten weiblichen Hochzeitsgäste fürchten sich vor jenem Moment. Und wahrscheinlich auch der eine oder andere Partner von den Ladies, die sich hinter der Braut platzieren müssen. Während die Frauen ihren Status auf dem Beziehungsmarkt zumeist nur sehr ungerne der Öffentlichkeit präsentieren und sich im Kreise der Hochzeitsgesellschaft gar etwas ausgestellt fühlen, fürchten sich Männer vor dem Moment, in dem die eigene Freundin mit einem Jubelschrei den gefangenen Brautstrauss in die Luft hält. Nicht ganz ohne Grund. In Internetforen gibt es allerlei Diskussionen darüber, wie man sich am einfachsten alle Konkurrentinnen ausschaltet und sich den Brautstrauss schnappt. Mit dem Ziel, statt mit dem Zaunpfahl mit dem Blumenstrauss zu winken. Bereits im Kindergarten mochte ich Gruppenspiele nicht. Sass lieber am Rand und guckte den andern beim Spielen zu. Und ähnlich verhält es sich auch mit Brautstrauss-Werf-Spielen. Nach grossartiger Überzeugungsarbeit meines Traummannes und seiner Kollegen stellte ich mich trotzdem widerwillig in die Reihen der unverheirateten möglicherweise noch Jungfrauen (Zeiten ändern sich). Dass der Brautstrauss seinen Weg in meine Hand gefunden hat, ist nicht meiner Motivation zu verdanken. Es fiel einfach direkt hinein. Zugegeben, ich habe mich etwas gestreckt. Und ganz ehrlich: ich bin sogar noch etwas hochgesprungen. Maximale zwei Zentimeter. Hilfloses Opfer des sogenannten Brautstrauss-fangen-ist-romantisch-Reflex, der in den Genen jeder Frau angelegt ist.
Wider meiner Ratio und meiner demonstrierten Antipathie gegen dieses Prozedere hielt ich also die gschnürten Blumen in den Händen, lächelte dümmlich und wusste nicht, wie ich nun - da ich den Strauss in den Händen hielt - darüber denken sollte. Mein Traummann lächelte stolz. Also beschloss ich, das ebenfalls toll zu finden. Liess die darauffolgenden Kommentare und Nachfragen über Heiratspläne und dem genauen Hochzeitsdatum über mich ergehen, ging nach Hause und surfte im Internet nach der neuesten Brautmode.
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HMO-Modell im Test
Ich drücke die Klinke des gläsernen Virenpalasts herunter und trete ein. Bereits sitzen drei, vier Kranke drin. Ich grüsse, scanne gleichzeitig den Raum auf der Suche nach dem Stuhl, welcher am einsamsten im Raum steht, und steure zielstrebig darauf zu.
Ein kurzer Schlenker noch. Die abgeblätterten Heftchen stehen geordnet im Regal. Neben der üblichen Wartesaalliteratur wie GEO Wissen oder Psychologie heute, gibts auch Klatsch und Tratsch. Verspricht eine kurzweilige Wartezeit zu werden.
Es ist still. Die Wartenden sitzen apathisch auf den lederbezogenen Stühle. Das Raumklima ist kühl. Ab und zu rasselt die Lunge des älteren Herrn mit dem Holzfällerhemd. Hinter Fach- oder Klatschzeitschrift checken sich die Anwesenden unauffällig ab. Man rätselt über die Krankheiten der andern (denn ohne die wär ja keiner von uns da) und fragt sich, wie ansteckend diese wohl sein mögen. Mit jedem neuen Patient, der den Warteraum betritt, halten die Wartenden die Luft an. Keiner will noch weiteren Viren Obdach bieten; auch wenn man erst kürzlich die Petition für eine Sicherung der Artenvielfalt unterschrieben hat. Die Tür öffnet sich und irgendjemand ruft irgendjemanden auf. Händeschütteln, dann folgt der Patient den weissen Croqs durch zahllose Gänge an vielen Dr.-Türschildern vorbei. Ich huste. Die Wartenden zucken zusammen. Auf einem Schild steht, dass angeschaltete Mobiltelefone verboten sind, da sie medizinische Geräte stören. In meiner Handtasche kündigt der Vibrationsalarm eine SMS an. Halbwegs erwarte ich, dass gleich ein Patient neben mir tot umfällt, weil sein Herzschrittmacher wegen Interferenzen mit meinem Handy versagt hat. Doch nichts passiert.
Die Tür geht auf und diesmal bin ich dran. Schüttle meinem neuen Arzt die Hand und verlasse glücklich die Stätte, wo die aktuellsten Krankheiten zur Schau getragen werden - man sollte schliesslich nicht jeden Trend mitmachen.
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